deutsch deutsch english Kontakt: +43 (0) 7472 64 181 - 0 | office@mgg-recycling.com
default logo
April 17, 2019

Die Weiten des Alls – vieles davon ist noch unerforscht. Ob es daran liegt, dass Arthur Schwesig, der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei MGG Polymers, in seiner Freizeit gerne in Richtung des Sternenhimmels blickt? Auf jeden Fall bricht er in seinem Beruf gerne auf, um unerforschte Gebiete zu erkunden. Das benötigt bekanntlich Zeit und Geduld – wie die technische Entwicklung für das Recycling von PC/ABS (Polycarbonat / Acrylnitril-Butadien-Styrol). „Bis zur Serienreife hat es sechs Jahre gedauert“, erzählt Schwesig über die Entwicklungen, um die nötige Technologie bei MGG Polymers auf die Beine zu stellen.

Es war ein großes Wagnis, als man sich vor sechs Jahren im Unternehmen entschloss, die Wiederverwertung von PC/ABS in Angriff zu nehmen. Während bereits einige Kunststoffe relativ einfach und gewinnbringend recycelt werden können, müssen andere Fraktionen entsorgt werden. PC/ABS gehörte bis dahin zu den Kunststoffen, die entsorgt werden mussten. Daher gab es zu diesem Zeitpunkt weder bekannte Trennverfahren noch Erfahrungen mit der Separation dieses Polymers. Für Schwesig und sein Team war es höchste Zeit, dies zu ändern.

Starke Ergebnisse

Die Expedition in unbekannte Gefilde nahm MGG Polymers mit starken Partnern in Angriff. So verbesserte man die eigenen Trennverfahren. „Es waren teilweise wirklich große Anstrengungen notwendig. So mussten etwa die Technologien, die hinter diesen Trennschritten stecken, völlig neu entwickelt werden“, berichtet Arthur Schwesig. Im letzten Jahr konnte das Projekt schließlich abgeschlossen werden – ein gewaltiger Schritt vorwärts, der erstaunliche Ergebnisse mit sich brachte. Die Trenneffizienz beträgt hervorragende 95 Prozent – und diese soll nach Möglichkeit sogar noch weiter gesteigert werden.

MGG Polymers als Trendsetter

Um das Recycling von PC/ABS abzuschließen, muss das Material aber nicht nur optimal sortiert, sondern auch compoundiert und in Pellets-Form gebracht werden. Um diesen Schritt bewältigen zu können, konzipierte man vor drei Jahren im Werk von MGG Polymers in Kematen eine neue Extruder-Anlage. Darin verbergen sich ebenfalls wichtige Innovationen – etwa leistungsstarke Entgasungsvorrichtungen – die mittlerweile auch von führenden Anlagenbauern in der Branche übernommen wurden. MGG Polymers setzte damit neue Trends, was angesichts der markanten Vorteile für R&D-Leiter Arthur Schwesig nicht verwunderlich ist: „Durch diese leistungsstarke Entgasung können Schadstoffe, die im Verarbeitungsprozess entstehen, wesentlich besser entfernt werden. Zudem lässt sich sogar der Geruch des Endmaterials verbessern – das ist vor allem für Kunden im Verpackungs- oder im Automobilbereich ganz wichtig.“

Zudem macht es die Anlage möglich, Additive in Reinform zu dosieren, wodurch die Eigenschaften des produzierten Recycling-Kunststoffes maßgeblich beeinflusst werden können. „Oft findet man keine fertigen Lösungen am Markt, sodass wir diese selbst entwickeln müssen. Gut, dass wir eine so flexible Anlage haben, mit der wir auch einiges ausprobieren können“, sieht Schwesig noch viele Entwicklungsmöglichkeiten.

PCR-Kunststoff so gut wie Neuware

All diese Anstrengungen haben sich gelohnt: Das recycelte PC/ABS kann für hochglänzende Bauteile wie Monitorgehäuse, Ummantelungen von Routern, Beamern, PCs oder andere Elektronikgeräte ebenso eingesetzt werden wie in der Automobilindustrie. „Hersteller haben unseren Post-Consumer recycelten Kunststoff zahlreichen Tests unterworfen und uns attestiert, dass sie keinen Unterschied zwischen unserem Material und Neuware festgestellt haben“, freut sich Arthur Schwesig, dass die harte Entwicklungsarbeit Früchte trägt. Das von MGG Polymers recycelte PC/ABS bietet sogar eine ideale Grundlage für Hochleistungsapplikationen. So konnte man sogar PC/ABS der höchsten Brandklasse für Elektrogeräte realisieren, ohne umweltschädlich Zusätze wie bromierte Flammhemmer zu verwenden.

Im All entdeckt Hobbyastronom Arthur Schwesig immer wieder Neues – und er ist sich sicher, dass ihm und seinem Team das auch beim Kunststoff-Recycling gelingen wird. Geht es nach dem 51-Jährigen, ist die Wiederaufbereitung von PC/ABS nur der Anfang bei MGG Polymers. Weitere Kunststoffarten sollen in naher Zukunft folgen – auch weil sich einiges verändern wird. „Wir wissen heute bereits, dass sich die Zusammensetzung der Kunststoffe in den Abfallströmen ändern wird. Die heutigen Elektrogeräte sind schließlich nicht mehr dieselben wie vor 5 oder 10 Jahren“, hat der MGG Polymers-Forschungsleiter schon einige Ideen.

Anwendung statt Theorie

Um darauf vorbereitet zu sein, hält man etwa gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut Ausschau, welche Sensortechniken in den nächsten Jahren verfügbar sein werden. Zudem arbeitet die kleine, aber feine Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei MGG Polymers mit weltweit 200 Partnern an neuen Entwicklungen – von Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen bis zu den Lieferanten. „Am Ende sollen keine hochakademischen Theorien stehen, die nicht umsetzbar sind, sondern konkrete Anwendungen“, stellt Arthur Schwesig klar – so wie das Recycling von PC/ABS aus Altelektronik. Aktuell produziert man davon im MGG Polymers-Werk pro Monat 200 Tonnen, Tendenz steigend! PC/ABS hat sich bei MGG Polymers bereits als Fixstern am Himmel der PCR-Kunststoffe etabliert – ganz zur Freude von Hobbyastronom Arthur Schwesig.

Zur Person:
DI Arthur Schwesig (51)
Leiter Forschung und Entwicklung, technischer Chemiker
seit 2008 bei MGG Polymers

Am Bild: DI Arthur Schwesig und Isabella Mayerhofer